Geschichte der Ehemaligen

Als erster Einstieg in die Geschichte der Ehemaligen mag der Beitrag unseres Ehemaligen und Interimsvorsitzenden Wilhelm Tietz dienen, den er 1978, also vor genau 30 Jahren, anläßlich des 75-jährigen Bestehens unserer Schule verfaßt hat und der in der Festschrift veröffentlicht wurde.

Wilhelm Tietz ist übrigens auch der Ehemalige, dem wir den schönen Linolschnitt unserer Schule verdanken, der nicht nur seit langem das Deckblatt unseres "Neuen Bandes" ziert, sondern inzwischen auch zum Logo der Ehemaligen des Werner-Heisenberg-Gymnasiums geworden ist.

Auf Seite 105 ff. der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, erschienen 1978, schreibt Wilhelm Tietz also:

 

"Die Ehemaligen"

Der Weg zu einer neuen Gemeinschaft

Die Vereinigung ehemaliger Heider Oberrealschüler und Gymnasiasten bezweckt nach ihrer Satzung in erster Linie die "Förderung und Wiederbelebung der Kameradschaft unter den ehemaligen Schülern der Heider Oberrealschule und des jetzigen Gymnasiums", sie ist aber gleichzeitig, gewissermaßen als ihre "Außenstelle", ein Teil der Schule geworden.

Man muß sich in die Zeit des ersten Weltkrieges zurückversetzen, als blutjunge Heider Oberrealschüler voller Begeisterung für das Vaterland von der Schulbank "zu den Fahnen eilten", um dann die Schrecken des Krieges in den Schlachten von Langemark und Verdun zu erleben. Sechsundvierzig dieser jungen Menschen mußten den Soldatentod erleiden.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches kehrten die Trümmer des geschlagenen Heeres zurück, enttäuscht, verbittert und ohne Hoffnung. Für viele war allein die Heimat der rettende Hafen. Und hier galt es neue Fäden zu knüpfen zu einem neuen Anfang.

Gelegentlich trafen sich in jenen Tagen ehemalige Schulfreunde, um über ihre Kriegserlebnisse, über die Schulzeit und über neue Kontakte zu sprechen und zu diskutieren. Das war im Jahre 1919. Sie veranstalteten dann ein erstes "Heimatfest" in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, das in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war. Die Veranstaltung zeigte, daß ein Zusammenschluß ehemaliger Schüler der Heider Oberrealschule dem Wunsch vieler entsprechen würde. Alfred Arens, er feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag, nahm sich der Sache an und am 3. Oktober 1921 wurde die "Vereinigung ehem. Heider Oberrealschüler" gegründet. Spontan traten ihr mehr als 150 Mitglieder bei; bald waren es 300 und heute zählt die Vereinigung über 800 Mitglieder, von denen die meisten außerhalb von Heide, teils im Ausland, wohnen.

Alljährlich veranstaltete man große Festbälle zu Ostern und Weihnachten, die sich bald für Heide zu gesellschaftlichen Ereignissen entwickelten und bis auf den heutigen Tag zu  Wiedersehensfesten für ehemalige Schüler und Lehrer wurden, wo man miteinander Erinnerungen austauschen konnte.

Stets war man bestrebt, die Gäste mit guten Darbietungen zu erfreuen. Unvergeßlich blieb das Heimatfest 1923, wo mit eigenen Kräften das Schauspiel "Alt-Heidelberg", von rauschendem Beifall begleitet, im Stadttheater aufgeführt wurde.

In der Folgezeit überschatteten die Inflation und Wirtschaftskrise das gesamte Vereinsleben, auch das der "Ehemaligen". Aber der Zusammenhalt erwies sich allen Widerwärtigkeiten zum Trotz als stärker.

Im Jahre 1929 konnte endlich der langgehegte Wunsch nach einer engeren Verbindung der in ganz Europa verstreuten mitglieder verwirklicht werden. Das Nachrichtenblatt der Ehemaligen, das "Neue Band" wurde aus der Taufe gehoben. Der kürzlich im Alter von 77 Jahren verstorbenen Ehrenvorsitzende, Kaufmann August Schlesmann, eine prominenter Heider Bürger, war der verdienstvolle Initiator des "Neuen Bandes", das seitdem alle Ehemaligen bis auf den heutigen Tag verbindet. In loser Folge sind bisher 114 Hefte, randvoll gefüllt mit Nachrichten und Berichten aller Art, erschienen. Sie enthalten nicht nur Artikel und Beiträge von und über Mitglieder, Lehrer und Schüler, sie sind darüber hinaus ein echtes Zeitdokument, das nicht nur die wechselvolle Geschichte der Schule und der Vereinigung widerspiegelt, sondern, in sechs dicken Bänden, im Vereinsarchiv und im Heider Heimatmuseum gesammelt, auch für alle an der Stadtgeschichte Interessierten eine unerschöpfliche Fundgrube ist.

In den Seiten des "Neuen Bandes" ist verzeichnet, wer zum Beauftragtenkreis zählte, jene "Unentwegten", die tatkräftig das einmal gesteckte Ziel verfolgten, nämlich den Zusammenhalt und die Verbindung aller Mitglieder untereinander zu fördern und aufrechtzuerhalten. Immer fanden sich opferbereite Helfer, die unentwegt diese Aufgabe für ihre "Ehemaligen" übernahmen. Da tauchten Namen auf von Freunden, die sich um die Vereinigung besonders verdient gemacht haben. Neben Alfred Arens, August Schlesmann, Karl Lüthje und Hans Horn waren es Ad. Lorenzen, Friedrich Bossel, Theodor Biehl und John Witt. Später waren es Otto Lange, Franz Herrmann, Hildegard Tiedje, Willi Bewarder, Erich Weding und viele andere. Dazu gehört aber vor allem der unvergeßliche Dr. Paul Schröder, der als Spätheimkehrer ab 1950 wieder 1. Beauftragter wurde und den Schreiber dieser Zeilen ablöste, der das Amt in seiner Abwesenheit seit 1947 interimistisch verwaltete.

Paul Schröder leitete eine glanzvolle Periode des Vereinslebens ein, das durch zahlreiche fröhliche Veranstaltungen mit vielen Beteiligten gekennzeichnet war. Zum Kreis der damaligen Beauftragten gehörten Rolf Lambrecht, K. h. Enemark, Gerhard Jörgensen, Fr. Jensen, Liselotte Peters, Paul Köster, Ernst Buck, Dr. Riepen, um nur einige wenige zu nennen. Mit Elan ging es ans Werk, wenn es galt, das "Neue Band" zu verschicken oder Einladungen für die Veranstaltungen zu schreiben, immer eine mühevolle Arbeit, die erst richtig erfolgreich wurde, als Frau Anne Schierning "hauptberuflich" ein Vereinssekretariat entwickelte, das sie aufopferungsvoll mehr als 20 Jahre in dankenswerter Weise, sie war "die Seele des Vereins", verwaltete.

Die Hefte des Nachrichtenblattes sind gewissermaßen eine Chronik der Vereinigung, deren "Lebensweg" sie getreulich festgehalten hat. In einem Grußwort der Stadt zur 100. Ausgabe schreiben Bürgervorsteher Petersen-Schmidt und Bürgermeister Dr. Wilkens:"Hundert Ausgaben des "Neuen Bandes" sind ein Beweis stetiger Verbundenheit, zu der wir die Vereinigung ehemaliger Oberrealschüler und Gymnasiasten von Herzen beglückwünschen können. Wie fest muß dieses Band sein, daß es in 100 Folgen über 42 Jahre hinweg alle Schwierigkeiten und Fährnisse überstand! Unzähligen Ehemaligen ist es in alle Welt gefolgt und hält die Erinnerung wach an die alte Schule und ihre Lehrer. Es gibt ihnen Kunde vom Wandel in ihrer Heimatstadt und vom Lebensweg der Mitschüler. Wie mancher von ihnen hat wahrhaft Ungewöhnliches zu berichten..." Ja, wer erinnert sich nicht gern an den "Tuschkasten", eine Karnevalsveranstaltung, die sich über viele Jahre behauptete, an die monatlich einmal stattfindenden Gesprächsabende, an das alljährliche "Seniorentreffen" im Herbst, wo die älteren in Erinnerungen schwelgen können, aber auch die Teilnahme an Abiturentlassungen und die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag, wo am Ehrenmal in der Schule, das die Ehemaligen errichteten, Blumen niedergelegt werden. Vieles, vieles mehr gehörte zu dem, was im "Neuen Band" liebevoll festgehalten ist.

Nach Dr. Paul Schröders frühem Hinscheiden im Jahre 1965 leitete und repräsentierte Dr. Klaus-Starck Voss mehr als 13 Jahre die Vereinigung, um sie 1975, wegen beruflicher Überlastung einem Nachfolger gefestigt und geschlossen zu übergeben. Glücklicherweise waren die Weichen für eine Neubesetzung des Beauftragtenkreises gestellt. Sein bisheriger Stellvertreter, Adolf Schlesmann, erklärte sich bereit, aufzurücken. 2. Beauftragter wurde Dr. Gerhard Jörgensen. Der Göttinger Professor fühlt sich seiner Heimatstadt besonders verbunden. Dankbar wurde auf der Jahreshauptversammlung auch das Angebot des schriftstellernden Arztes angenommen, an der Gestaltung des Mitteilungsbalttes der Vereinigung mitzuwirken. Gewissermaßen als Stellvertreterin beider wurde Annemarie Gundelach in den Vorstand gewählt. Einstimmig wurde Dr. Voss zum Ehrenbeauftragten ernannt und damit sein verdienstvolles Wirken gewürdigt. Schriftführerin wurde Frau Inge Thießen, Verbindungslehrer zur Schule blieb Dr. Hans Brüggmann, Redakteur des "Neuen Bandes" Joachim Sund und für den ausscheidenden Beisitzer Erich Scheller kam Frau Hildegard Petersen, geb. Jörgensen, neu in den Vorstand, dem auch Karl-Heinz Enemark, G. W. Schmidt und Dr. Dieck, neuerdings auch die Herren Lambrecht, Hilgerloh und Köster, angehörten.

Die Beweggründe, die einst zur Gründung der Vereinigung führten, haben auch heute noch Gültigkeit. Zwar hat sich das Vereinsleben überall gewandelt, aber immer noch ist es eine Freude, wenn alte Schulfreunde, die durch die Mitgliedschaft in der Vereinigung gewissermaßen "einen Fuß in der Tür zur Schule" haben, mit ihren früheren Lehrern Erinnerungen austauschen können. Denn auch das Verhältnis zur Schule, zu den jeweiligen Leitern und Lehrern ist allzeit ausgezeichnet gewesen.

Für die "Ehemaligen" ist die Erinnerung an ihre alte Schule verbunden mit dem Dank an jene Lehrkräfte, die sich einstmals darum bemühten, sie, die ihnen anvertrauten Schüler, für das spätere Leben vorzubereiten.

Ein alter Herr, der gebürtige Rostocker Alfred Dedow, hat es in einem der Hefte des "Neuen Bandes" mit dem folgenden kleinen Gedicht treffend zum Ausdruck gebracht:

 

Das Gymnasium in Heide

Schon viele Jahre sind vergangen,
seit Du mit Frohsinn oder Bangen
dies Schulbild in Dich aufgenommen.

Inzwischen ist die Zeit verronnen,
und Du hast manchesmal geschaut
auf Stätten, die Dich mehr erbaut.

Doch keine hat für Dich den Wert,
wie diese, wo man Dich gelehrt
das Denken, Überlegen, Handeln,
damit Du später konntest wandeln
den rechten Weg zu Nutz und Frommen
auch jener, die noch nach Dir kommen.

Erblicke sie hier noch einmal,
die Schule, wo man dazumal
für's Leben Dich hat wohl erzogen,
und bleib' ihr fürderhin gewogen

 

                                                                                           Wilhelm Tietz